Stop-Motion Projekt im BTZ – Animation zum Leben erweckt

Vorsichtig bewegt eine Hand den Arm einer kleinen Figur auf dem Tisch – Klick! Das erste Bild ist im Kasten. Nun wird der Arm ein weiteres kleines Stück nach oben bewegt. Klick – das zweite Bild.

Mit jeder Bewegung und jedem Klick der Kamera wächst die Geschichte Stück für Stück, denn hier entsteht gerade ein Stop-Motion-Film. Und das nicht in einem großen Animationsstudio, sondern mitten im BTZ am BFW in Leipzig. Dieses Projekt ist nur eines von vielen spannenden, kreativen Formaten, die unsere Teilnehmenden in den Jugendmaßnahmen praxisnah umsetzen.

Stop-Motion, auch Einzelbildtrick genannt, ist eine Animationstechnik, mit der unbelebte Objekte auf kreative Weise zum Leben erweckt werden. Berühmt wurde diese Technik durch Filme wie Nightmare Before Christmas oder Wallace & Gromit. Das erfordert Präzision und Geduld, denn jedes Objekt wird Bild für Bild leicht bewegt und fotografiert, sodass beim Abspielen eine flüssige Bewegung entsteht, als würden die Figuren von selbst agieren.
Für Stop-Motion-Filme können verschiedene Materialien verwendet werden: Knetfiguren, Klick-Bausteine, bewegliche Puppen, ausgeschnittene Papierfiguren, Stifte oder sogar echte Menschen. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt.

Im Zuge des aktuellen Stop-Motion Projektes, sprachen wir mit Jason, Teilnehmender der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB-Reha) und der Projektverantwortlichen Person Jojo Kienle.

Jojo Kienle

Was war die Grundidee hinter dem Stop-Motion-Projekt und warum haben Sie sich dafür entschieden?

 

Die Möglichkeit, Stop-Motion-Projekte anzubieten, ist aus meiner Sicht eines der besten pädagogischen Mittel, um Medienkompetenz zu vermitteln. Die Technik ist intuitiv, zeitgemäß und praxisnah.

 

Welche Ziele wollten Sie mit den Jugendlichen durch dieses Projekt erreichen?

 

Stop Motion vereint viele Bausteine der Multimediaproduktion: Texte, Grafiken, Videos und Audioinhalte. All das müssen die Jugendlichen anwenden, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Ich wollte, dass sie sich in diesen Bereichen ausprobieren und dazulernen. Dabei stoßen sie auf viele Fragen: Wie lade ich Bild und Text rein? Wie nehme ich etwas auf? Welche Kameraperspektive passt? Wie muss die Szene ausgeleuchtet werden? Wie viele Frames brauche ich? Muss ich vielleicht noch andere Programme oder Medien hinzuziehen? Und wie ergibt das Ganze dann ein stimmiges Endprodukt?

 

Was hat Sie an der Arbeit mit den Teilnehmenden am meisten überrascht? Gab es etwas, was Sie besonders stolz gemacht hat?

 

Mich macht es besonders stolz, zu sehen, wie die Teilnehmenden ihre eigenen Ideen von Anfang bis Ende umsetzen können. Ich gebe nichts vor. Wir starten mit einer Einweisung: Wir schauen uns ein Storyboard an, besprechen Requisiten, richten den Drehort ein und sehen uns ein paar Filmbeispiele an. Danach bin ich nur noch für Fragen und Unterstützung da. Mich beeindruckt, auf welche kreativen Lösungen die Teilnehmenden kommen. Am Ende der Stunde fünf Sekunden Film zu haben, klingt wenig – aber ich weiß, wie viel Arbeit und Kreativität darin steckt. Diese Sequenz zu sehen macht mich stolz.

 

Mit welchen Herausforderungen waren Sie während des Projekts konfrontiert und wie sind Sie damit umgegangen?

 

Das Gute ist, dass die Teilnehmenden sehr motiviert und eigenverantwortlich arbeiten. Ich muss also selten eingreifen. Wenn mal etwas nicht funktioniert, wie sie es sich vorgestellt haben, werde ich um Hilfe gebeten. Dann geht es meistens darum, kreative Lösungen zu finden: Welche Perspektive passt? Wie halten die Materialien? Welche Soundeffekte oder Dialoge könnten noch eingefügt werden? Manchmal verhalten sich die Materialien anders, als man will oder die Technik kommt an ihre Grenzen. Dann ärgert man sich kurz – aber oft führt das zu neuen, witzigen und kreativen Ergebnissen.

 

Wie haben sich die Jugendlichen im Laufe des Projekts entwickelt, sowohl kreativ als auch persönlich?

 

Die Zusammenarbeit in der Gruppe entwickelt sich gut. Anfangs mussten Sie lernen, aufeinander einzugehen, Ideen zusammenzubringen und manchmal Kompromisse zu machen. Oder auch das Prinzip „Kill your Darlings“ zu lernen. Mit der Zeit funktioniert das immer besser: Sie unterstützen sich gegenseitig und setzen Ideen gemeinsam um. Außerdem lernen sie die Materialien kennen, wissen, was möglich ist, und probieren die App aus. Nach einer Weile läuft das alles fast automatisch.

 

Welche Rolle spielt Stop-Motion Ihrer Meinung nach im Vergleich zu anderen kreativen Methoden in der pädagogischen Arbeit?

 

Stop Motion bietet einen großen Selbsterfahrungswert. Von der Idee bis zum fertigen Film müssen die Teilnehmenden ständig ausprobieren, scheitern, neu starten – und sich freuen, wenn etwas funktioniert oder sogar noch besser wird, als sie es sich vorgestellt haben.

 

Wie wurden die Geschichten oder Szenen für die Filme entwickelt?

 

Zuerst entwickeln die Jugendlichen ein Konzept: Sie überlegen sich eine Geschichte, einen Titel, Figuren und Umgebung. Welche Haupt- und Nebenfiguren gibt es? Gibt es einen besonderen Anlass oder eine Herausforderung? Was ist der spannendste Moment? Gibt es einen überraschenden Wendepunkt oder eine schwierige Entscheidung? Wie löst sich die Geschichte auf, und was lernen die Figuren?

Auf dieser Grundlage wird ein Storyboard erstellt: Szenen werden grob gezeichnet und stichpunktartig notiert, welche Dialoge und Soundeffekte vorkommen. Danach definieren sie die Requisiten: Welche Figuren, Objekte und Materialien werden gebraucht? Diese werden gebastelt und/oder gesammelt.

 

In welchem Rahmen fand das Projekt statt? Wie viel Zeit hatten Sie, wo fand es statt und welche Technik wurde genutzt? Was passiert mit den entstandenen Filmen?

 

Das Projekt fand im Rahmen der wöchentlichen Freitagsangebote der BVB statt. Die Teilnehmenden können sich dort mehrere Wochen lang bei verschiedenen kreativen und handwerklichen Angeboten ausprobieren, z. B. Töpfern, Sticken, Nähen, Holzwerkstatt, Perlen, Linoldruck, Buchbinden, Filzen, Marmorieren, Makramee, Memes, – und eben Stop Motion. Es gab keinen festen Zeitrahmen; die Teilnehmenden konnten so lange daran arbeiten, wie sie wollten. Verfügbar waren verschiedene Bastelmaterialien und ein Handy mit Stop-Motion-App.

 

Können Sie sich vorstellen, die Filme der Teilnehmenden im Rahmen der Nacht der Kunst der Öffentlichkeit zu präsentieren?

 

Ja, sehr gut. Da es der Film der Teilnehmenden ist, liegt es ganz bei ihnen, was sie damit machen möchten.

Jason

Wie habt ihr die Teilnahme an dem Projekt erlebt?

 

Sehr offen und angenehm – uns wurden in unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt und wir haben viele hilfreiche Tipps bekommen. Ideen die erst nicht umsetzbar schienen wurden aufgegriffen und uns wurden die “Tools“ in die Hand gegeben. Wir wurden nicht gehetzt und eher ermutigt, das ganze soweit wie möglich auszuspielen.

 

Gab es Schwierigkeiten oder Herausforderungen, die ihr überwinden musstet?

 

Definitiv! Wir hatten viele Momente bei der Erstellung, die im Konzept erstmal einfach erschienen, aber sobald wir dann dran waren und das umsetzen wollten wurde es kompliziert. Nach und nach sind immer mehr Dinge aufgefallen, die man bräuchte, um das ganze ein bisschen “runder“ zu machen.

 

Welche kreativen Ideen oder Lösungen habt ihr dabei entwickelt?

 

Mit der Zeit wurde unser Gespür für Szenen, die kompliziert wären immer besser. Wir haben kreative Winkel mit der Kamera und andere Wege, um genau die komplizierte, unnötig aufwendige Szene zu umgehen gefunden, was dann im Gesamtergebnis auch für Variation sorgte.

 

Was konntet ihr aus dem Projekt für euch mitnehmen? Was habt ihr gelernt?

 

Gut Ding will Weile haben! Anfangs wirkte es so, als wenn wir kaum Fortschritte machen würden. Alles was noch vor uns stand war zwar aufregend aber auch manchmal wie eine riesige Wand, was uns manchmal ziemlich ungeduldig und demotiviert gemacht hat. Aber je näher wir dem Ziel kamen, desto leichter wurde es. Immer mehr waren wir aufgeregt und stolz auf den Fortschritt.

 

Welche Idee oder Geschichte steckt hinter eurem Stop-Motion-Film?

 

Ich (Jason) wollte irgendeine Geschichte mit Plot Twist und Maurice wollte eine Story mit Action und einer Art Monster. So kam eines zum anderen und wir erstellten diese Story mit einer Menge Krawall und einem unerwartet entspannten Ende. Alles drum und dran kam uns nach und nach in den Sinn. Wir haben einfach erstmal grob angefangen. Das war hilfreich für uns. Ein Leitsatz zum Monster der Geschichte war außerdem der klassische Satz „Der Schein trügt.“.

 

Warum habt ihr euch für diese Art der Umsetzung entschieden?

 

In erster Linie Neugier. Wir wollten beide mal Stop-Motion ausprobieren und haben uns dann innerhalb der Gruppe zusammengefunden, da uns die Idee gefallen hat. Stop-Motion wirkte sehr spannend, da mit so vielen Einzelbildern und minimalistischen Effekten etwas so Lebhaftes erschaffen werden kann.

 

Beschreibt einmal, wir ihr euer eigenes Projekt umgesetzt habt: von der Story über die Fotografien bis hin zum Schnitt.

 

Angefangen haben wir damit, das Leitblatt von Jojo Kienle durchzuarbeiten. Darauf haben wir erste Story-Ansätze und Konzepte für Einzelbilder mit Bleistift gezeichnet. Wir haben uns überlegt, was wir für die Umsetzung dann noch alles brauchen und haben uns eine kleine Liste gemacht. Als nächstes kamen dann eine Menge Vorbereitungen. Maurice fing an, die Aufsteller (also die Hintergründe im Film) zu zeichnen und ich fing an, verschiedene “Möbelstücke“ aus Knete zu formen. So erstellten wir uns nach und nach die Räumlichkeiten, in denen die Szenen dann stattfinden konnten. Unser Monster haben wir von Jojo Kienle bereitgestellt bekommen. Wir haben diese “Emotionsananas“ gesehen und wusste direkt, dass wir dieses lustige Wesen als Monster umfunktionieren wollen. Dann konnten also unsere Dreharbeiten beginnen und wir haben über die Stop-Motion App Bild für Bild unseren Film erstellt. Am Ende kamen dann noch Sounds und kleine Einspieler und Cuts dazu und fertig war unser Projekt.

 

Was hat am meisten Spaß gemacht?

 

Die coolsten Momente hatten wir zusammen, wenn wir einfach ein bisschen rumprobiert und ein paar Bilder aufgenommen haben, ohne es uns zu sehr zu zerdenken und dann das Ergebnis der kleinen Szene angeguckt haben und es einfach passte. Daran hatten wir gemerkt, dass wir immer besser wurden und haben uns einfach sehr gefreut.

 

Einblick in einzelne Stop-Motion-Szenen

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