Junge Frau, Psychologin, stellt ihre Analyse über einen Monitor Mitarbeitenden des Beruflichen Trainingszentrums vor

Berufliche Orientierung wirkt: Wissenschaftliche Evaluation am BTZ Leipzig setzt Impulse für die Rehabilitation

Am 12.03.2026 wurden am Beruflichen Trainingszentrum (BTZ) des BFW Leipzig die Ergebnisse der evaluierten „Beruflichen Orientierung“ (BO) im Rahmen des Beruflichen Trainings (BT) erstmals hausintern vorgestellt. Vorausgegangen war ein mehrjähriger Entwicklungsprozess, in dem interdisziplinäre Arbeitsgruppen am BTZ ein zeitgemäßes, multivariables Konzept der Beruflichen Orientierung erarbeiteten, dieses manualisierten und passgenaue Messinstrumente zur systematischen Evaluation entwickelten.

 

In einer Fachveranstaltung präsentierte die Psychologiestudentin Anna Kühsel ihre Masterarbeit vor den Mitarbeitenden des BTZ. Gegenstand der Untersuchung war die Evaluation von Effekten der Beruflichen Orientierung auf zentrale berufsbezogene und psychische Variablen. Analysiert wurden Veränderungen der Selbstwirksamkeitserwartung, der beruflichen Perspektive sowie des psychischen Belastungserlebens der Teilnehmenden.

Wissenschaft trifft Praxis

Die Masterarbeit wurde als quasi-experimentelles Prä-Post-Design mit 75 Teilnehmenden aus sieben Maßnahmen im Zeitraum von April 2024 bis Juli 2025 durchgeführt. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob eine gezielte berufliche Orientierung zu mehr Klarheit, gestärktem Zutrauen in die eigenen beruflichen Fähigkeiten und zu einer Reduktion psychischer Belastung beitragen kann.

 

Theoretisch stützte sich die Untersuchung unter anderem auf die sozial-kognitive Laufbahntheorie (Social Cognitive Career Theory), die Selbstbestimmungstheorie sowie die Ressourcenerhaltungs-theorie. Damit wurde deutlich: Berufliche Orientierung ist weit mehr als Informationsvermittlung – sie kann ein zentraler Wirkfaktor im Rehabilitationsprozess sein.

 

Das Studiendesign und die Analysen stießen auf großes fachliches Interesse. Besonders die praxisnahe Umsetzung im realen Feldsetting wurde intensiv diskutiert.

 

Bedeutung für die berufliche Rehabilitation

Mit Blick auf berufliche Integrationsmaßnahmen wurde eine tragfähige berufliche Orientierung als entscheidender Baustein betrachtet, der Integrationserfolge nachhaltig begünstigen kann. Genau hier setzt das Trainingsmodul zur Beruflichen Orientierung im BTZ an: Es verbindet strukturierte Selbsterkundung, Feedbackprozesse und systematische berufliche Recherche.

 

Marko Daubitz, Fachbereichsleiter am BTZ, betonte im Rahmen der Veranstaltung: „Die Evaluation zeigt, wie wichtig es ist, unsere Arbeit nicht nur engagiert umzusetzen, sondern sie auch wissenschaftlich zu überprüfen. Dass wir am BTZ Forschung und Praxis so eng miteinander verbinden, ist ein starkes Qualitätsmerkmal unseres Hauses.“ Weiter betont er, dass es sich bereits um die siebente wissenschaftliche Arbeit in den insgesamt zehn Jahren des Bestehens des BTZ handele, von denen fünf in Fachpublikationen veröffentlicht und auf Fachtagungen vorgestellt wurden.

 

Blick nach vorn: Reha-Wissenschaftliches Kolloquium

Ein weiterer Höhepunkt folgte heute (25.03.2026) beim Reha-Wissenschaftlichen Kolloquium in Leipzig. Dort wurde die Arbeit von Anna Kühsel unter dem Titel „Evaluation des BO-Moduls im Beruflichen Training am BTZ Leipzig – Quasi-experimentelles Prä-Post-Design in der beruflichen Rehabilitation“ einem überregionalen Fachpublikum vorgestellt. Die Annahme des Beitrags wurde als besondere Anerkennung gewertet – sowohl für die wissenschaftliche Qualität der Arbeit als auch für die innovative Praxis am BTZ.

Ein starkes Signal für Qualität und Entwicklung

Die Studie liefert wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung beruflicher Integrationsprozesse. Sie unterstreicht die Bedeutung fundierter beruflicher Orientierung im Rahmen der beruflichen Rehabilitation – und zeigt, dass das BTZ am BFW in Leipzig bereit ist, seine Angebote kontinuierlich evidenzbasiert weiterzuentwickeln.

 

Damit setzt das Berufliche Trainingszentrum ein klares Zeichen: Berufliche Rehabilitation braucht Engagement, Fachlichkeit – und den Mut, die eigene Arbeit wissenschaftlich zu reflektieren.

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