11. Netzwerktreffen Essstörungen Sachsen (NESSA) zum zweiten Mal im BTZ am BFW Leipzig

70 Psycholog*innen und Ärzt*innen trafen sich am 14.09.2022 im BTZ am BFW in Leipzig zum fachlichen Austausch. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Referat zur „Behandlung von Patient*innen mit Doppeldiagnosen und Essstörungen“. 

 

Essstörungen, wie die Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung, sind schwere psychische Erkrankungen, mit gravierenden Auswirkungen für Betroffene aber auch deren Angehörige. Sie treten oftmals gemeinsam mit somatischen Folgeerkrankungen auf. Eine adäquate Behandlung setzt meist eine berufsgruppenübergreifende spezialisierte Versorgung mit enger Kooperation zwischen allen Behandlungspartnern voraus. Eine gute Vernetzung in der Behandlung von Patient*innen mit Essstörungen ist deshalb zentrales Anliegen dieser Netzwerkveranstaltungen. 

Das Berufliche Trainingszentrum (BTZ) am Berufsförderungswerk richtete zum zweiten Mal das Netzwerktreffen Essstörungen Sachsen am Standort Leipzig aus. Rund 70 Teilnehmer*innen folgten der Einladung. Organisiert wurde das Treffen von NESSA (Netzwerk Essstörungen Sachsen), BEL (Beratungszentrum Ess-Störungen Leipzig) und dem BTZ am BFW mit Unterstützung der AOK Plus. 

Das Thema Essstörungen ist auch Teilnehmenden im BTZ Leipzig am BFW präsent, so BTZ-Leiter Marko Daubitz zur Eröffnung der Veranstaltung. Die Herausforderung in der Arbeit mit unseren Teilnehmenden gestaltet sich dabei ähnlich wie in den Kliniken. Ein Gewinn für Betroffene am BTZ ist die berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit in den interdisziplinären Teams der spezialisierten Rehabilitationseinrichtung. 

Dr. med. Abiodun Bernard Joseph, Chefarzt, Fachklinikum für Drogenrehabilitation Wermsdorf, betrachtete das Thema Essstörungen aus der Sicht von Patient*innen mit Doppeldiagnosen. Am Beispiel der Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigte er den mühsamen Weg eines Beziehungsaufbaus zu Patient*innen auf, bei denen oftmals eine Traumafolgestörung zugrunde liegt. Erst wenn die Therapie der tiefgehenden Traumatisierung greift, solle man sich in der Behandlung der Patient*innen mit Doppeldiagnosen weiteren diagnostischen Themen nähern. In der Therapie gilt es das Thema Essstörung sehr individuell zu betrachten. So gäbe es z.B. Patient*innen mit einer Binge-Eating-Störung, die Ihren eigenen „Schutzpanzer“ zumindest vorerst weiterhin bräuchten. 

In den anschließenden Workshops bildeten sich die Teilnehmer*innen vertiefend in unterschiedlichen Themen, wie Diagnostik, Therapie und Begleitung von Menschen mit Essstörungen, weiter. Der Workshop 1 zum Thema: „Störungsspezifische Anamnese und Fallvorstellung“ wurde gemeinsam mit einer Patientin von Frau Dr. Carolin Webelhorst, Oberärztin an der Klink und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie vom Universitätsklinikum Leipzig, gestaltet. Im 2. Workshop zur „Einbeziehung von Musiktherapie in Behandlungsprozesse bei Essstörungen“ führte Frau Maxi Wantzlöben, M.Sc. Psychologie, Betreuungspsychologin am BTZ Leipzig thematisch in die Angebote der Musiktherapie ein, die auch Bestandteil der Maßnahmen am BTZ sind. Anschließend nahm Herr Damenza Nvioki, Afrikanischer Künstler, Musiker und Musiklehrer, Musikpädagoge, alle Teilnehmenden mit auf ein sehr emotionales Trommelerlebnis. 

Im Workshop 3 tauschten sich die Gäste über Fallbespiele aus der Praxis zum Thema „Schwangerschaft und Essstörungen“ aus, moderiert von Frau Anja Mann, Tanz- und Ausdruckstherapeutin vom Beratungszentrum Essstörungen (BEL) Leipzig. Im 4. Workshop stand die Ergotherapeutische Arbeit im Mittelpunkt. Den Vortrag mit anschließendem Austausch zur „Motivierung in der Therapie von Patient*innen mit Essstörungen gestalteten Frau Liona Graw und Frau Jana Erwin, beide Ergotherapeutinnen am BTZ am BFW in Leipzig. 

Am Ende der Veranstaltung resümierte Marko Daubitz, dass die vielen Akteure aus dem klinischen Bereich, Ärzte, niedergelassene Therapeuten und Vertreter von Beratungsstellen den Nachmittag sowohl zur fachlichen Weiterbildung als auch zum persönlichen Austausch und dem Knüpfen neuer Kontakte nutzten konnten, was zur Verbesserung der Versorgungsstruktur beiträgt.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im September 2023.